Meine Arbeitsweise
Psychotherapie bedeutet für mich vor allem Begegnung. Jeder Mensch bringt eine eigene Geschichte, eigene Beziehungen, Verletzungen, Hoffnungen und inneren Konflikte mit. Menschen kommen nicht deshalb in Therapie, weil sie „schwach“ sind, sondern weil bisherige Bewältigungsstrategien irgendwann nicht mehr ausreich(t)en, um mit innerem Druck, Belastungen oder schwierigen Lebenssituationen umzugehen. Manche Verhaltensweisen, Glaubenssätze oder innere Muster waren früher möglicherweise notwendig, sinnvoll oder sogar überlebenswichtig. Was einst geschützt hat, kann jedoch im späteren Leben belastend werden – etwa in Beziehungen, im Umgang mit Gefühlen oder in der Beziehung zu sich selbst. Symptome verstehe ich deshalb nicht isoliert, sondern in ihrer Gewordenheit und als Ausdruck innerer Konflikte, emotionaler Verletzungen oder langjähriger Anpassungsprozesse.
In meiner therapeutischen Arbeit ist mir wichtig, gemeinsam mit Ihnen zu verstehen: Welche Erfahrungen haben geprägt? Welche Gefühle mussten vielleicht lange zurückgehalten werden? Welche inneren Überzeugungen über sich selbst, andere Menschen oder die Welt haben sich entwickelt? Und welche Bedürfnisse stehen möglicherweise hinter dem eigenen Verhalten? Die moderne Psychotherapieforschung hat in den letzten Jahren Bindung, Selbstwert, Kontrolle/ Orientierung, Lust/ Unlustvermeidung sowie Autonomie als die psychischen Grundbedürfnisse herausgestellt, deren Schutz und Erfüllung konstanter Motor allen menschlichen Handelns ist. Eine „komplementäre“ Beziehungsgestaltung berücksichtigt die individuellen Erfahrungen vor allem mit verletzten Grundbedürfnissen und gilt als primärer Wirkfaktor bei therapeutischen Veränderungsprozessen.
Ein weiterer Bestandteil meiner Arbeit ist die emotionsfokussierte Haltung. Gefühle sind keine „Störung“, sondern wichtige innere Signale für Befriedigung oder Verletzung psychischer Grundbedürfnisse. Viele Menschen erleben ihre Emotionen als überwältigend oder kaum noch zugänglich. Ein wichtiger Bestandteil emotionsfokussierter Arbeit besteht darin, belastende emotionale Muster behutsam zu verstehen, erlebbar zu machen und neue emotionale Erfahrungen zu ermöglichen. Dabei geht es nicht darum, Gefühle „wegzumachen“ oder Menschen vorzuschreiben, wie sie fühlen sollen. Vielmehr soll ein sicherer Raum entstehen, in dem emotionale Prozesse besser verstanden, erlebt und schrittweise verändert werden können. Oft können schmerzhafte Gefühle wie Scham, Angst oder Einsamkeit durch Selbstmitgefühl, innere Klarheit, Trauer oder eine gesunde Form von Selbstbehauptung verändert und integriert werden. Die therapeutische Arbeit orientiert sich dabei eng an Ihrem individuellen Erleben. Gemeinsam schauen wir auf innere Konflikte, Selbstkritik, emotionale Blockaden oder wiederkehrende Beziehungserfahrungen, die bis heute nachwirken können. Ziel ist es, einen besseren Zugang zu den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen zu entwickeln, innere Zusammenhänge verständlicher zu machen und mehr emotionale Freiheit und Selbstverbundenheit im Alltag zu ermöglichen.
Psychotherapie verstehe ich nicht als starres Abarbeiten eines Manuals. Wissenschaftlich fundierte Methoden sind wichtig und bilden die Grundlage meiner Arbeit. Gleichzeitig soll Therapie lebendig, individuell und menschlich bleiben. Besonders wichtig ist mir eine therapeutische Beziehung, die von Ehrlichkeit, Transparenz, Respekt und Augenhöhe geprägt ist. Menschen sollen sich nicht bewertet oder „analysiert“, sondern verstanden fühlen dürfen. Therapie darf dabei auch leicht sein, Humor enthalten und echte Begegnung ermöglichen – selbst wenn gleichzeitig schwierige Themen Raum bekommen.